Ferien sollen das Schönste im Jahr sein – im Patchwork sind sie erst mal ein Verhandlungsgegenstand: Darf das Kind mit? Wie lange? Wie oft wird telefoniert? Und mittendrin du, die einfach nur einmal gemeinsam wegfahren will. So werden aus dem Papierkrieg echte Ferien.
Die wichtigste Ferienregel im Patchwork lautet: Gebucht wird, was schriftlich vereinbart ist – und vereinbart wird früh. Ferienzeiten mit dem Kind gehören in den Jahresplan (idealerweise zusammen mit den Feiertagen), mit klaren Eckdaten: welche Wochen, wie lange am Stück, wie weit weg. Denn kurzfristige Ferienabsprachen sind das perfekte Einfallstor für Machtproben – wer erst vier Wochen vor Abflug das Ja von drüben braucht, verhandelt aus der schwächsten Position der Welt: mit gebuchten Flügen in der Hand. Steht die Vereinbarung, gilt sie – auch wenn kurz vor der Abreise plötzlich Bedenken, Gegenvorschläge oder Drama auftauchen. Gerade dann. Wie ihr solche Wellen sachlich beantwortet, steht im Guide «Ruhe im Sturm».
Kaum ein Ferienthema eskaliert so zuverlässig wie das Telefonieren mit dem anderen Elternteil. Die Lösung ist eine vorab vereinbarte Regel, die das Kind ins Zentrum stellt: Das Kind darf immer anrufen – es muss nie. Ihr erinnert es alle paar Tage freundlich daran, dass es Mama anrufen kann; ob es will, entscheidet es selbst. Kinder, die Ferien geniessen, wollen oft tagelang nicht ans Telefon – das ist kein Alarmsignal, sondern das beste Zeugnis für gelungene Ferien. Kommuniziert die Regel vor der Abreise schriftlich («Wir erinnern ihn regelmässig; er meldet sich, wenn er mag – bei allem Wichtigen melden wir uns sofort»), dann ist das spätere «Ihr habt ihn mir vorenthalten» schon beantwortet, bevor es kommt.
Unsere erste grosse Reise mit dem Kind ging nach Südafrika, zusammen mit meiner Familie – und sie hat mir zwei Dinge fürs Leben beigebracht. Erstens: Das Drama findet vor der Reise statt, nicht auf ihr. Erst sollten wir das Kind unbedingt mitnehmen, kurz vor Abflug sollte es plötzlich doch bleiben – geflogen sind wir mit ihm, und er hatte die Zeit seines Lebens; am liebsten hätte er verlängert. Kinder sind in den Ferien viel unkomplizierter, als der Papierkrieg davor vermuten lässt. Zweitens: Regelt das Telefonieren vorher. Unser Kind wollte schlicht nie ans Telefon – am Ende waren es drei Anrufe in zwei Wochen, und genau daraus wurde nachher der Vorwurf gedreht. Seither gilt bei uns die schriftlich angekündigte Regel: Er darf immer, er muss nie. Die Ferien selbst? Waren jeden einzelnen Kampf davor wert.
Kinder-Tempo einplanen, nicht nur Kinder-Programm. Ein Fünfjähriger braucht keinen Ausflug pro Tag – er braucht Pool, Rhythmus und ein Glace. Wer das Programm halbiert, verdoppelt die Stimmung.
Rückzugsorte für dich, von Anfang an. Ferien mit Bonuskind sind für dich auch Arbeit – plane deine Inseln fest ein: der Morgenlauf, die Stunde am Pool allein, der Spa-Nachmittag, während die zwei Papa-Zeit haben. Das ist keine Flucht, sondern die Bedingung dafür, dass du am fünften Tag noch freundlich bist. Exklusive Papa-Kind-Zeit tut ohnehin allen gut – auch dem Kind.
Grossfamilie dosieren. Ferien mit deiner Familie sind wunderbar und für das Bonuskind anspruchsvoll: neue Menschen, andere Kinder, geteilter Papa. Rechne mit grossen Gefühlen – Eifersucht ist Verlustangst in Kindersprache (mehr dazu im Guide «Nähe auf Zeit») – und baue Puffer ein: ruhige Tage, vertraute Rituale von zu Hause, ein eigenes Bett-Ritual auch im Hotel.
Und: Reisen zu zweit bleiben erlaubt. Eine Paarbeziehung, die nur noch Familienferien kennt, verliert etwas. Ein Wochenende oder eine Woche zu zweit, während das Kind bei der Mama ist, ist kein Verrat am Kind – es ist Pflege des Fundaments, auf dem das Kind steht.
Diesen Guide gibt es einzeln für CHF 14 – oder zusammen mit allen 42 Guides im Kreis für CHF 39 im Monat.
Bonusmama aus der Schweiz und Gründerin von Herzverwandt. Ich schreibe über das, was mir am Anfang niemand gesagt hat – ehrlich, ohne Beschönigung und mit viel Herz für Frauen in derselben Rolle.
So oft es selbst will – die bewährte Regel lautet: Es darf immer, es muss nie. Ihr erinnert es alle paar Tage freundlich an die Möglichkeit; ob es anruft, entscheidet das Kind. Kinder, die Ferien geniessen, wollen oft tagelang nicht ans Telefon – das ist kein Alarmsignal, sondern das beste Zeugnis für gelungene Ferien. Kündigt die Regel vor der Abreise schriftlich an, dann ist der Vorwurf «Ihr habt ihn mir vorenthalten» schon beantwortet, bevor er kommt. Wie ihr auf solche Wellen sachlich reagiert, steht im Guide «Ruhe im Sturm».
Bei gemeinsamer elterlicher Sorge braucht es für Auslandsreisen grundsätzlich das Einverständnis des anderen Elternteils – holt es früh und schriftlich ein und führt eine Einverständniserklärung samt Kopie der Ausweise mit. Manche Länder kontrollieren streng, ob mitreisende Erwachsene berechtigt sind, gerade wenn das Kind einen anderen Namen trägt als ihr. Die rechtlichen Details für die Schweiz findest du im Guide «Recht & Rolle in der Schweiz».
Nein – sie sind Beziehungspflege. Das Kind hat seine Ferienzeiten im anderen Haushalt; die könnt ihr für euch nutzen, ohne jemandem etwas wegzunehmen. Eine Paarbeziehung, die nur noch Familienferien kennt, verliert etwas – und ein Paar, das sich erholt, kommt als besseres Team zurück, wovon am Ende vor allem das Kind profitiert. Warum euer Paar-Fundament so wichtig ist, vertieft der Guide «Der Mann dazwischen».
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