Über Geld spricht man nicht? In einer Patchworkfamilie schon – sonst spricht das Geld irgendwann über euch. Zwischen Unterhalt, Kinderkosten und der Frage, ob halbe-halbe wirklich fair ist, entscheidet sich leise, ob du dich als Partnerin fühlst oder als Sponsorin eines fremden Systems.
Geldgespräche fühlen sich unromantisch an – dabei sind sie der beste Frühwarn-Test, den es gibt. Denn im Geld zeigt sich, was sonst unausgesprochen bleibt: Sieht dein Partner euch als Team, das gemeinsam rechnet? Oder als zwei Einzelpersonen, von denen eine praktischerweise die Hälfte übernimmt? In kaum einer Konstellation ist diese Frage so geladen wie im Patchwork – weil hier Kosten existieren, die nur einer von euch verursacht, und Opfer, die nur eine von euch bringt.
Der Klassiker beim Zusammenziehen: «Wir teilen die Miete halbe-halbe.» Klingt gerecht – und ist es oft nicht. Rechne ehrlich: Wenn ein Zimmer der Wohnung dem Kind gehört, wohnst du auf weniger Fläche, als du bezahlst. Wenn du für die Beziehung die Stadt gewechselt hast, trägst du bereits Kosten, die in keiner Nebenkostenabrechnung auftauchen: längere Arbeitswege, verlorene Nähe zu Freundinnen und Familie, vielleicht Karriere-Kompromisse. Und wenn das Kind da ist, isst und verbraucht es – bei euch, nicht bei dir.
Fair heisst nicht, dass du möglichst wenig zahlst. Fair heisst, dass ihr alles auf den Tisch legt – auch die unsichtbaren Posten – und dann bewusst entscheidet, statt reflexhaft zu halbieren. Manche Paare landen danach trotzdem bei 50/50, aber dann ist es eine Entscheidung, kein Automatismus.
Getrennte Kassen mit Kinder-Ausnahme. Jeder zahlt seins, gemeinsame Kosten werden geteilt – aber alles, was das Kind betrifft (Zimmer-Anteil, Essen, Ausflüge, Ferien-Mehrkosten), trägt der Vater. Das sauberste Modell für frische Konstellationen und Konkubinat: Es hält deine Finanzen unabhängig und macht sichtbar, dass sein Kind seine Verantwortung ist.
Anteilig nach Einkommen. Gemeinsame Kosten werden im Verhältnis der Einkommen geteilt – wer mehr verdient, zahlt mehr. Fair, wenn eure Einkommen weit auseinanderliegen; braucht aber Offenheit über Zahlen und eine jährliche Neuberechnung.
Drei Konten. Jeder behält sein Konto, dazu ein gemeinsames für Miete, Haushalt und Familienleben, das beide nach vereinbartem Schlüssel füttern. Der Standard für gefestigte Patchworkfamilien: maximale Transparenz, minimale Einzeldiskussionen.
Und der Unterhalt? Er ist Sache der Eltern, nicht deine – im Konkubinat wird dein Einkommen für seinen Kindesunterhalt nicht herangezogen, und eine gesetzliche Pflicht zwischen euch gibt es nicht. Zwei Dinge solltet ihr trotzdem kennen, bevor ihr Kisten packt oder Ringe kauft: Das Zusammenziehen kann seine Unterhaltsrechnung indirekt verändern, weil seine Lebenskosten sinken – geteilte Miete bedeutet mehr verfügbares Einkommen, und das kann bei einer Neuberechnung höheren Kindesunterhalt zur Folge haben. Und mit der Heirat entsteht die eheliche Beistandspflicht (Art. 278 Abs. 2 ZGB): Direkt unterhaltspflichtig für das Bonuskind wirst du nie, aber dein Einkommen kann ab dann indirekt einfliessen, indem du mehr vom gemeinsamen Familienunterhalt trägst. Empfangener oder gezahlter Unterhalt gehört deshalb in jeder Stufe transparent auf den Tisch – die Details aller drei Geld-Stufen findest du im Guide.
Als wir übers Zusammenziehen sprachen, kam der Satz wie selbstverständlich: «Dann teilen wir die Miete halbe-halbe.» Und ich sass da und dachte: Warum eigentlich? Von drei Zimmern gehört eines dem Kind. Ich bin diejenige, die die Stadt wechselt und ihr Umfeld zurücklässt. Ich verdiene mehr – und trotzdem sollte ich für ein System mitzahlen, in dem ich am wenigsten zu sagen habe? Das Gespräch darüber war unbequem, und es war eines unserer wichtigsten. Nicht wegen der Franken – wegen der Frage dahinter: Rechnen wir als Team oder als WG? Heute legen wir alles offen auf den Tisch, auch die unsichtbaren Posten. Was dabei herauskommt, ist nicht immer 50/50. Aber es ist immer besprochen – und das ist der Unterschied.
Im Konkubinat seid ihr finanziell Fremde: kein gegenseitiger Anspruch, kein Erbe ohne Testament, keine Witwenrente – dafür volle Unabhängigkeit. Das macht klare schriftliche Absprachen (Konkubinatsvertrag, Beiträge, Inventar) umso wichtiger, gerade wenn du in seine Wohnung investierst oder beruflich zurücksteckst. Mit der Ehe entstehen gegenseitige Unterstützungspflichten, erbrechtliche Ansprüche – und die Beistandspflicht gegenüber seinem Kind. Was das im Detail heisst, inklusive Vollmachten und Erben im Patchwork, findest du im Guide «Recht & Rolle in der Schweiz».
Ein Grundsatz zum Schluss, egal welches Modell ihr wählt: Deine finanzielle Eigenständigkeit ist nicht verhandelbar. Eigenes Konto, eigene Vorsorge, eigene Rücklagen – nicht aus Misstrauen, sondern weil du in einem System lebst, in dem vieles nicht in deiner Hand liegt. Dein Geld sollte es sein.
Diesen Guide gibt es einzeln für CHF 14 – oder zusammen mit allen 42 Guides im Kreis für CHF 39 im Monat.
Bonusmama aus der Schweiz und Gründerin von Herzverwandt. Ich schreibe über das, was mir am Anfang niemand gesagt hat – ehrlich, ohne Beschönigung und mit viel Herz für Frauen in derselben Rolle.
Rechtlich im Konkubinat: nein – die Eltern sind unterhaltspflichtig, nicht du; in der Ehe unterstützt du deinen Partner über die eheliche Beistandspflicht nur indirekt mit. Im Alltag entscheidet ihr selbst: Viele Paare wählen bewusst, dass der Vater alle Kinderkosten trägt, damit die Rollen sauber bleiben. Was du freiwillig gibst, bleibt freiwillig – aber vereinbart es bewusst, statt es stillschweigend wachsen zu lassen. Was der Zivilstand rechtlich alles ändert, liest du im Guide Recht & Rolle in der Schweiz.
Nein – es ist erwachsen. Halbieren ist nur dann fair, wenn beide gleich viel Wohnraum, Einkommen und Lebensveränderung einbringen. Wenn ein Zimmer dem Kind gehört, wohnst du auf weniger Fläche, als du bezahlst, und wenn du für die Beziehung die Stadt gewechselt hast, trägst du schon Kosten, die in keiner Abrechnung auftauchen. Bei uns war genau dieses Gespräch unbequem – und eines unserer wichtigsten. Wie eine solche Belastung emotional auf dich wirkt, ordnet der Guide Nicht verlieren.
Sobald Geld, Wohnung oder grössere Anschaffungen gemeinsam werden: ja. Ein einfacher Konkubinatsvertrag regelt Beiträge, Eigentum und was bei einer Trennung gilt – das kostet einen Abend und erspart im schlimmsten Fall einen Rechtsstreit, gerade weil das Gesetz für unverheiratete Paare fast nichts regelt. Besonders wichtig, wenn du in seine Wohnung investierst oder beruflich zurücksteckst. Welche vier Papiere sonst noch dazugehören, liest du im Guide Recht & Rolle in der Schweiz.
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